Die jahrzehntelange Vernachlässigung der Radinfrastruktur in Reinickendorf…

und das zynische Desinteresse am Bedarf der Radfahrenden rächen sich jetzt! Sogar die „Berliner Morgenpost“ titelt in ihrer Ausgabe vom 5. November 2025 „Für Radfahrer eine Katastrophe“.

Das ist leider die Wahrheit und es ist gut, dass ganz Berlin davon erfährt. Natürlich wissen die Radfahrenden unter den Leser:innen dies längst: Wechselt man beispielsweise von Mitte nach Reinickendorf, wird die Fahrt gleich sehr hart und gefährlich: Es geht über baumbewurzelte Hoppelpisten (aka Hochbordradwege), enge gepinselte „Radstreifen“ entlang von parkenden Autos (Achtung: Dooring-Gefahr!) und weiter über quasi heiliges Kopfsteinpflaster („Mist! Mir ist das Smartphone aus der Halterung geflogen und die Handtasche ist auch weg“). Überdies wird der Ton rauer, es wird knapper überholt und auch gerne mal von hinten gehupt à la „Mach Platz, jetzt komm ich!“

Wie lange soll das noch so weitergehen? Oder anders gefragt: Wie lange soll der Stillstand in Sachen Radverkehr weiter verwaltet werden? Das weiß nur der liebe Gott!

Niemand verlangt, dass über Nacht beheizte Radwege oder gar geschützte Radstreifen („protected bikelanes“) gebaut werden. Aber wie kann es sein, dass viele von uns über Hochbordradwege fahren, die wir schon in der Grundschule benutzt haben und die seitdem kaum gepflegt wurden? Auch kleine Schritte würden die Situation verbessern. Jedoch scheint das die Bezirkspolitik zu überfordern.

Seit 1981 ist die CDU die dominierende Kraft im Bezirk und insbesondere für die miserable Bilanz im Bereich Radverkehr verantwortlich. Der Schwerpunkt wird nach wie vor auf den Autoverkehr gesetzt. Begründet wird dies oft damit, dass es in Reinickendorf ja nicht anders möglich sei, weil dies ein „Flächenbezirk“ sei. Dabei wird jedoch übergangen, dass immer mehr Menschen auf Gesundheit und Bewegung Wert legen und dafür nicht nur in die Mucki-Bude gehen. Nein, sie setzen sich – sogar ganzjährig – aufs Fahrrad und fahren mitunter lange Strecken (d.h. mehr als 30 km pro Tag).

Natürlich ist auch der zweite Player im Bezirk Schuld daran, dass nichts vorangeht. Die SPD ist ebenso die Partei der Autofahrer:innen, bloß keine Autospur abgeben und schon gar keine Parkplätze den Radfahrenden opfern.

Stillstand – wohin man auch blickt. Von einem kurzen Lichtblick mal abgesehen, als eine grüne Stadträtin die erste Fahrradstraße in Reinickendorf durchsetzte. Aber auch da war das Gemaule und Gemeckere wüst – als ob dadurch das Ende der Autokultur in Reinickendorf drohte.

Fahrrad-Demo Bermuda-Dreieck, Hermsdorfer Damm 07/2023

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