Fahrradweg in der Berliner Straße, Tegel vor dem aus?

Die Reinickendorfroute der Infravelo steht im Verlauf der Berliner Straße bei den Abgebordneten der BVV massiv in der Kritik, siehe:
https://www.berliner-woche.de/tegel/c-verkehr/reinickendorf-route-steht-massiv-in-der-kritik_a352190

Klaus Büchner kritisiert:

Ich kann mir vorstellen, dass eine Mehrheit, besonders die lärm- und abgasterrorisierten Anwohner der Berliner Straße, für mehr Fahrradverkehr wären.

Klaus Büchner

Wir, als Netzwerk Fahrradfreundliches Reinickendorf, haben uns mit mehreren Demos und Aktion mit bis zu 500 Teilnehmenden im Jahr 2020 und 2021 intensiv dafür eingesetzt, dass möglichst schnell auf der Berliner Straße bessere Radinfrastruktur in Form einer Pop-Up Bikelane errichtet wird,

Deshalb können wir es absolut nicht nachvollziehen, dass hier so wenig passiert und die aktuellen Pläne auch noch so sehr in der Kritik stehen. Die Schonfrist für das neue Bezirksamt ist unserer Meinung nach mittlerweile vorbei und wir erwarten, dass noch in diesem Jahr etwas passiert und in der Berliner Straße in Tegel eine Pop-Up Bikelanes übergangsweise errichtet wird bis die Umsetzung des Radschnellwegs im Jahr 2027+++ geschieht. 

Im Detail können wir die Verhinderungsargumente der Bezirksverordneten der Bvv Reinickendorf genau so wenig nachvollziehen wie Herr Büchner und wollen dazu nochmal einige wissenschaftliche Argumente hinzufügen: 

1. Eine Auswertung der Daten des Strava-Netzwerks hat ergeben, dass durch die Einrichtung von Pop-up-Radwegen ein deutlicher Zuwachs des Radverkehrs erzielt wird. In der Berliner Kantstraße nahm der Radverkehr sogar um 260% zu:

https://www.pressebox.de/inaktiv/strava-inc/Strava-macht-Stava-Metro-den-weltweit-groessten-Datenpool-fuer-urbane-Mobilitaet-erstmals-kostenfrei-zugaenglich/boxid/1024297

2. Der Radverkehr würde den Autoverkehr trotz reduzierter Anzahl der Spuren für die KFZ nicht ausbremsen, da 1. der Zulauf zur Berliner Straße bereits auf Grund der Busspur auf eine Autospur reduziert wurde und 2. die zweite Autospur ohnehin nicht durchgängig befahrbar ist auf Grund von 2. Reihe Parkern, sodass die Kapazität der Straße durch den eine separierte Fahrradspuren (PBL) nicht reduziert würde. Ein Vergleich aus Portland kommt zu dem gleichen Ergebnis: 

https://www.deutschlandfunknova.de/nachrichten/verkehr-fahrraeder-bremsen-autos-kaum-aus

Weiterhin ist die Berliner Straße in Tegel im Abschnitt zwischen Veitstraße und Bernstorffstraße weniger stark belastet als die einspurigen Straßen Hermsdorfer Damm und Waidmannsluster Damm (siehe: https://www.berlin.de/sen/uvk/_assets/verkehr/verkehrsmanagement/verkehrserhebungen/verkehrsmengen_kfz-lkw-2019.pdf ). Zusätzlich existiert eine leistungsfähige Umfahrung 200m weiter über die Stadtautobahn, die auch im Falle einer Sanierung einen Großteil des Verkehrs aufnehmen und behalten wird auf verengten Fahrspuren. 

3.  Weiterhin hat das Institute for Advanced Sustainability Studies durch die Auswertung von Messdaten aus unmittelbarer Nähe eines neuen Pop-up-Radwegs in Berlin-Kreuzberg festgestellt, dass der Radweg zu einer Reduktion der Luftschadstoffe von 22% führte.

https://www.iass-potsdam.de/de/news/radweg-am-kottbusser-damm-fuehrt-zu-22-prozent-weniger-luftschadstoffen#:~:text=Am%20Kottbusser%20Damm%20gibt%20es,14%20bis%2018%20Uhr%20autofrei

Zu den hervorgebrachten Argumenten der Bezirksverordneten ist zu sagen, dass sich diese auf den Haltestellenbereich Alt-Tegel beziehen.

Hier wäre es ohne Probleme möglich den Fahrstreifen neben den Bussen rechts und links abzupollern und mit Fahrradpiktorgrammen  zu markieren, auch wenn das in den derzeitigen Regelplänen zu Pop-Up Radwegen nicht vorgesehen ist. Weiterhin ist dem Argument von Herrn Büchner nichts hinzuzufügen, denn auch Ich überquere lieber eine Straße mit weniger Autos und mehr Radfahrenden. 

Diese überwindbare Problematik steht einer Umsetzung einer Pop-Up Infrastruktur in der restlichen Berliner Straße zwischen Veitstraße und Bernstorffstraße jedoch nicht im Weg. Die Anwendung der seit über zwei Jahren bestehenden Richtlinien der Stadt Berlin zu Pop-Up Radwegen (siehe: 

https://www.berlin.de/sen/uvk/_assets/verkehr/verkehrsplanung/radverkehr/regelplaene_radverkehrsanlagen.pdf)

ist auf diesem Abschnitt ohne Probleme möglich, auf Grund der vorhandenen Platzverhältnissen von 3 KFZ-Spuren je Richtung. Wir als Netzwerk Fahrradfreundliches Reinickendorf würden hierbei die geschützte Infrastruktur nach TEER 03a/b/c bevorzugen würden, wegen der höheren subjektiven Sicherheit, siehe: 

https://radwege-check.de/auswertung/

Für das Bezirksamt und Korinna Stephan habe ich auch nochmal den Prozess zur Errichtung für die Errichtung von Pop-Up Bikelanes herausgesucht: 

Herr Felix Weisbrich, als an der Umsetzung der Pop-Up Radinfrastruktur in Friedrichshain-Kreuzberg maßgeblich Beteiligter, wies auf eine kurze Umsetzung des Prozesses zur Errichtung der Pop-Up Bikelanes innerhalb von 2 Wochen hin. 

Vielleicht kann auch ein Austausch zwischen Frau Korinna Stephan und Herr Weisbrich stattfinden, damit von der Erfahrung von Herrn Weisbrich gelernt werden kann und diese auf die Berliner Straße angewendet werden kann. 

Die Gefahrenlage in der Berliner Straße ist real und wir können auch im Hinblick auf die Klimakrise nicht länger warten die Maßnahmen zu ergreifen, die die Sicherheit erhöhen und die Klimabelastungen reduzieren (s.o.; https://usa.streetsblog.org/2019/05/29/protect-yourself-separated-bike-lanes-means-safer-streets-study-says/). 

Die Berliner Straße ist zusätzlich im festgelegten Radvorrang der Stadt Berlin (https://fbinter.stadt-berlin.de/fb/index.jsp?loginkey=showMap&mapId=k_radverkehrsnetz@senstadt ), weshalb eigentlich nur noch die Frage beantwortet werden sollte: Wann entsteht dort endlich angemessene Radinfrastruktur nach MobG? 

Weitere Verzögerungen werden wir nicht akzeptieren, der Status Quo entspricht weder unserem noch dem Berliner Leitbild gemäß Mobilitätsgesetz und stellt eine außerordentliche Gefahrenlage für Radfahrende jeden Alters dar.

 @Korinna Stephan, wann wird die Pop-Up Bikelane in der Berliner Straße endlich umgesetzt? 

Gerne würden wir über den aktuellen Stand der der Umsetzung informiert und erwarten den Beginn der Umsetzung spätestens zu Beginn des neuen Schuljahres, wenn sich wieder tausende Schüler über die Berliner Straße auf den Weg zu den umliegenden Schulen machen werden. 

Fahrradfreundliches Netzwerk Reinickendorf

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